Konzertbericht: Der Münzer live auf dem Protzen Open Air
Die Sonne hing noch tief über den Feldern, als die ersten Takte vom Hauptstage herüberwehten – ein verzerrtes Gitarrenriff, das sich mit dem Klang von Dudelsäcken vermischte. Protzen Open Air, ein Freilichtgelände mitten in der Brandenburger Steppe, war an diesem Abend der perfekte Rahmen für genau eine Band: Der Münzer.
Ankunft im Lager
Wer das Protzen Open Air kennt, weiß: Der Weg dorthin ist schon Teil des Erlebnisses. Staubige Feldwege, aufgeregte Festivalbesucher in mittelalterlichen Gewändern und Kutten, irgendwo in der Ferne der Bass einer anderen Band – und dann dieser unverwechselbare Geruch von Grillgut, Bier und Lagerfeuer.
Die Bühne war schlicht aufgebaut, aber das brauchte es auch nicht anders. Wer hierherkommt, will keine Pyroshow. Er will Musik, die im Bauch widerhallt.
Der Auftritt beginnt
Als Thomas Mund die Bühne betrat, war die Reaktion der Menge eindeutig. Ein Raunen, dann Jubel. Seine Verbindung zu In Extremo ist kein Geheimnis – und wer die Herkunft des Gitarristen kennt, erwartet entsprechend viel. Mund enttäuschte niemanden.
Der Münzer eröffnete mit einem eigenen Stück, das sofort die Stärken der Band deutlich machte: schwere, bretternde Gitarrenriffs, ein treibender Rhythmus, und darüber das unverkennbare Schreien der Dudelsäcke. Der Sound fühlte sich an wie ein Sturm – breit, roh, unkontrollierbar schön.
Das Saxofon als Überraschung
Nicht jede Mittelalterrock-Band traut sich, ein Saxofon ins Arrangement zu integrieren. Beim Münzer ist das kein Gimmick, sondern ein echtes Klangwerkzeug. Besonders in den ruhigeren Passagen der Setlist entfaltete das Instrument eine fast melancholische Tiefe, die den Kontrast zu den wuchtigen Gitarrenwänden erst richtig spürbar machte. Das Publikum horchte auf – dieser Sound war anders.
Mitten in der Setlist: In Extremo Klassiker
Dann kam der Moment, auf den viele gewartet hatten. Der Münzer spielte eine Handvoll Stücke, die klar aus dem Repertoire der Mutterband stammten. Ohne die Originals zu kopieren, ließ Mund die Songs durch den eigenen Münzer-Filter laufen – etwas rauer, etwas direkter, mit dem Mut zur Abweichung.
Das Publikum sang mit, die Arme in der Luft, manch einer mit geschlossenen Augen. Solche Momente erinnern daran, warum Mittelalterrock mehr als ein Nischenphänomen ist – es ist Gemeinschaft, Ritual, Klang als Heimgefühl.
Highlights des Abends
- Der Dudelsack-Solo-Part gegen Ende des Sets ließ die Menge kurz verstummen – im besten Sinne
- Die Interaktion mit dem Publikum war ungekünstelt und ehrlich. Mund sprach wenig, aber wenn, dann direkt
- Das letzte Stück – ein langer, wuchtiger Rausschmeißer – war der perfekte Abschluss
Stimmung auf dem Gelände
Protzen bietet als Open-Air-Location etwas, das größere Festivals selten haben: Nähe. Kein Sicherheitsgraben, der fünf Meter breit ist, kein Absperrgitter auf Hüfthöhe. Man steht nah dran, riecht den Rauch der Nebelmaschine, spürt den Bass in der Brust.
Die Atmosphäre zwischen den Acts war entspannt. Festivalbesucher saßen auf Bierbänken, Kinder liefen mit Glitzerschminke zwischen den Erwachsenen herum, und irgendwo spielte jemand auf einer Handtrommel. Das Protzen Open Air hat die Seele eines Dorffestes – und das meint man als echtes Kompliment.
Fazit: Lohnt sich das Live-Erlebnis?
Absolut. Der Münzer ist eine Live-Band im besten Sinne: Sie braucht kein Studio-Polishing, keine perfekte Produktion. Was auf der Bühne passiert, lebt von Energie und Unmittelbarkeit. Wer die Band noch nicht live gesehen hat und Mittelalterrock auch nur ansatzweise schätzt, sollte die nächste Festivalgelegenheit nutzen.
Das Protzen Open Air war für diesen Abend genau der richtige Rahmen – und Der Münzer hat ihn vollständig ausgefüllt.