Dermuenzer

Thomas Mund – Vom In-Extremo-Gitarristen zum Münzer

Thomas Mund – Vom In-Extremo-Gitarristen zum Münzer

Manche Musiker finden ihren Weg zurück zu dem, was sie einst so fasziniert hat – und manche legen ihn bewusst neu an. Thomas Mund ist so jemand. Als langjähriges Mitglied einer der einflussreichsten deutschen Mittelalterrock-Bands überhaupt sammelte er jahrelang Bühnen­erfahrung, bevor er mit Der Münzer ein eigenes Kapitel aufschlug. Ein Kapitel, das unverkennbar von seiner Vergangenheit geprägt ist – und trotzdem seinen ganz eigenen Klang hat.

Die Lehrjahre: Thomas Mund bei In Extremo

In Extremo ist für viele Fans schlicht die Berliner Mittelalterrock-Band. Seit den frühen 1990er Jahren haben sie das Genre mitdefiniert, Dudelsäcke und Shawms in Rockkonzerte gebracht und hunderttausende Alben verkauft. Wer in dieser Konstellation über Jahre hinweg als Gitarrist aktiv war, der lernt das Handwerk nicht nur im stillen Übungsraum – der lernt es vor ausverkauften Open-Air-Arenen, auf Mittelalter­märkten und bei Festivals, die den Rhythmus des deutschen Sommer­kalenders bestimmten.

Thomas Mund war Teil dieser Welt. Als In-Extremo-Mitglied spielte er Gitarre in einem Umfeld, das ständig zwischen archaischem Klanggut und handfestem Hardriff pendelt. Diese Spannung – das Mittelalterliche und das Elektrische – ist kein einfacher Balanceakt. Sie verlangt ein Gespür dafür, wann ein Riff stampft und wann ein Dudelsack-Thema Raum braucht. Genau dieses Gespür sollte Thomas Mund später als seine eigentliche Grundlage nutzen.

Was diese Zeit prägte

Wer bei einer Band wie In Extremo spielt, lernt nicht nur Musik – man lernt eine Bühnen­philosophie. Mittelalter-Rock ist ein Genre mit eigenen Codes: Das Publikum will Authentizität genauso wie Energie, historisches Instrumentarium genauso wie moderne Lautstärke. Thomas Mund hat das verinnerlicht. In seinen späteren Projekten ist diese Doppelnatur nirgendwo verloren gegangen.

Der Schritt zur eigenen Band: Die Gründung von Der Münzer

Irgendwann reicht es nicht mehr, Teil einer Geschichte zu sein – man will sie selbst schreiben. Thomas Mund gründete Der Münzer, eine Band, die seinen Namen trägt und seine Vision trägt. Das Konzept war klar umrissen: Mittelalterlicher Hardrock, der tief in der Tradition der Szene verwurzelt ist, aber keine Kopie bestehender Acts sein will.

Der Münzer spielte In-Extremo-Klassiker – eine offensichtliche Referenz an Munds musikalische Biografie und ein Angebot an Fans, die das Original lieben. Gleichzeitig entstanden eigene Stücke, eigene Arrangements, ein eigenes Gesicht. Wer Thomas Mund live erlebte, merkte schnell: Hier steht kein Tribut-Act, hier steht jemand, der weiß, wie diese Musik funktioniert – und der eigene Ideen mitbringt.

Das Klangbild von Der Münzer

Die Instrumentierung von Der Münzer ist bezeichnend für jemanden mit Munds Hintergrund. Gitarre und Bass bilden das Rückgrat – solide, druckvoll, mit dem Gewicht, das Hardrock braucht. Hinzu kommen Dudelsack und Saxofon, zwei Instrumente, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen, im Zusammenspiel aber eine eigentümliche, fast grobe Direktheit entwickeln.

Der Dudelsack bringt das Archaische, das Raue, das dem Genre seinen unverwechselbaren Charakter gibt. Das Saxofon hingegen schmuggelt etwas Unerwartetes ins Klangbild – mal jazzig-dunkel, mal schreiendfest über dem Gitarrensound. Wer Thomas Mund als Gitarristen kennt, der versteht: Er denkt in Schichten. Und er weiß, wie man aus scheinbaren Widersprüchen eine stimmige Sprache baut.

Auf den Bühnen Deutschlands

Der Münzer war kein Studio-Projekt. Die Band spielte auf Festivals und in Clubs quer durch Deutschland – Open-Air-Events, Rock-Clubs, Mittelalter­märkte. Genau das Terrain, das Thomas Mund aus seiner Zeit bei In Extremo bestens kannte. Diese Erfahrung merkt man einer Performance an: kein Zögern vor großem Publikum, kein Unbehagen auf kleinen Bühnen.

Berlin als Heimatbasis war dabei kein Zufall. Die Hauptstadt hat eine lebendige Rockszene, und die Mittelalterrock-Gemeinde ist in der Stadt seit Jahrzehnten aktiv verankert. Thomas Mund bewegte sich in diesem Milieu mit der Selbstverständlichkeit von jemandem, der dazugehört – nicht als Newcomer, sondern als jemand, der die Szene kennt und von ihr gekannt wird.

Thomas Mund: Ein Name, der für etwas steht

Es gibt Musiker, die eine Band verlassen und danach in der Versenkung verschwinden. Und es gibt solche, die das Gelernte mitnehmen und daraus etwas Eigenes formen. Thomas Mund gehört zur zweiten Kategorie. Der Münzer war Ausdruck einer künstlerischen Haltung: Respekt vor der Geschichte des Genres, aber kein Stillstand darin.

Als Thomas-Mund-Gitarrist und Bandleader zugleich verkörperte er in Der Münzer eine Doppelrolle, die nur funktioniert, wenn man wirklich weiß, was man tut. Die Jahre als In-Extremo-Mitglied haben ihn genau dafür ausgestattet. Was er daraus gemacht hat, ist nicht weniger als sein eigenes musikalisches Vermächtnis – erdig, laut und mit einer Prise Geschichte, die man hören kann.